Jahrmarkt des Berliner Weinbundes

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Eingang zum Paradies

Am letzten Sonntag hätte man die Türen des Magazins der ehemaligen Heeresbäckerei einfach für ein Experiment hinter den Besuchern schließen können: Wie entwickelt sich die Spezies Mensch in einer Welt, in der Brot und Wein im Überfluss herrschen? Die kleine Menschheit in den alten Fabrikhallen würde sich langsam von Stand zu Stand bewegen, hier portugiesische, dort griechische Weine probieren. Zwischen den Weinen würde sie französische Süßigkeiten oder indischen Pfeffer verkosten. An jedem Morgen würden die Menschen in den verschlossenen Hallen zum Schlachter gehen und mit ihm über die negativen Folgen von Treibjagd auf Wildwurst sprechen. Bei einem Craft Beer würden sie sich wundern, warum es nur noch Bäuche, aber keine Kriege mehr gibt. Sie würden sich sammeln und der kleinen Frau mit portugiesischem Akzent lauschen, die von den Seitenarmen des Douro und den vergessenen Rebsorten erzählt. Alle wären für immer satt und glücklich. Umgeben nur von den besten Zutaten würde die kleine Menschheit einer glorreichen Zukunft entgegen schreiten; nur draußen würde die Welt in Flammen aufgehen.

Wäre aber ein Künstler unter ihnen, wie würde er dann das Paradies malen? Als ein Land der Entbehrung? Oder als eine Insel, auf der immer noch mehr Würste und Weine glänzen? Oder gar als Jahrmarkt des Weinbundes?

Schade, dass sich die Türen des vom Berliner Weinbundes veranstalteten Jahrmarktes immer nur einmal im Jahr öffnen. Am Sonntag war es endlich soweit. Zehn „namhafte Berliner Weinhändler“ stellten unter dem Thema „Verborgene Schätze der Weinwelt“ etwa 250 internationale Weine vor, die durch „Feine Kost und Lebensart“ begleitet wurden. Der Zusammensetzung des Berliner Weinbundes entsprechend wurden die Schätze vor allem im europäischen Kernland vermutet (Griechenland, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und Deutschland) und nicht in der neuen Welt oder Österreich.

Den Gedanken, mich einfach einzuschließen und der Welt die Möglichkeit einer alternativen Menschheitsgeschichte zu geben, bekam ich übrigens bei der Verkostung dreier, teurer Rotweine:

> Beaune-Clos-du-Roi Premier Cru, 2008, Domaine Tollot Beaut, Bourgogne, 41 Euro

> Aurus, 1997, Finca Allende, Rioja, 145 Euro für die Magnumflasche

> N’Anticchia, 2010, Tenuta Aglaea, Etna, 38 Euro

Ich kann nicht wirklich malen, aber diese drei müssten ins Bild.

Weinentstehung 1: Pflanze & Terroir

Die Herstellung von Wein ist ein komplexer und ausgeklügelter Prozess, der im besten Fall mit Kopfweh am nächsten Morgen endet. Die Schwere des Katers und möglicherweise aufkommende Reue hängen hierbei von vielen Faktoren ab.

Pflanze & Terroir
Wein wird, so zumindest die Hoffnung, aus Trauben gepresst. Die Pflanzen sind in fast allen Fällen veredelt, in dem Sinne, dass die eigentliche Rebsorte mit bestehenden Wurzeln verbunden wird. Das sorgt dafür, dass die Pflanze resistent gegenüber der Reblaus wird und erlaubt eine bessere Ausbeute der Mineralien im Boden. Die eigentliche Rebsorte, etwa “Chenin Blanc” bezeichnet nur den oberen Teil der Pflanze. Durch die Reblaus sind wurzelechte Weinstöcke, also solche die nicht veredelt sind, sehr selten, aber durchaus teilweise im Handel zu finden.

Der Boden auf dem die Pflanze steht, zusammen mit dem lokalen Klima wird als Terroir bezeichnet und hat ganz entscheidenden Einfluss auf den Charakter des Weins. Riesling auf Schiefer oder Lehmböden bekommt so etwa sehr verschiedene Geschmacksnoten. Auch das generelle Umfeld des Weines hat großen Einfluss: Wachsen Kräuter auf dem Weinberg sind diese Geschmäcker auch im späteren Wein erkennbar. Deshalb wird auch einige Wochen vor der Ernte das Düngen der Felder eingestellt.

Wir treibe ich meinen Weinverkäufer in den Wahnsinn:

Auf was für Wurzelstöcken stehen die Weinreben?

Würden Sie den Wein als charakteristisch für die Schieferböden der Moselregion beschreiben?

Ah, ich war vor kurzem im Urlaub in dieser Region und mir sind die ausgedehnten Tannenwälder aufgefallen. Mir war doch gleich so, als ob dieser Wein aus der Luft den umspielten Charakter eines Nadelharzes aufgenommen hat.

Dies ist der erste Eintrag einer Serie über die Herstellung von Wein.

Rückblick: Kartoffelkochkurs

Zutaten für den Kartoffelkochkurs

Zutaten für den Kartoffelkochkurs

Vor mittlerweile einer Woche trafen wir uns zum ersten Kochkurs der kulinarischen Gesellschaft und widmeten uns mit voller Hingabe der Kartoffel. Aus 8 verschiedenen Sorten bereiteten wir zusammen folgende Köstlichkeiten:

Unser Menü

Kartoffelchips mit Kräuter-Aioli
Kartoffelpuffer an Senf-Sojajoghurt
Kroketten mit Pilzen der Saison in Sahne
Mohnschupfnudeln mit Vanillesauce und Zwetschgen

Hier ein wenig mehr Details zu unserem ersten Gang:
Als Vorspeise wurden die Kartoffelsorten verglichen und so zubereitet, dass ihr Geschmack schlicht zur Geltung kommt. Wie ginge das besser als hauchdünn geschnitten, scharf in Öl versengt und leicht gesalzen?
Die Aioli wurde ja schon ausführlich besprochen. Zum Verfeinern wurde Kresse und Schnittlauch benutzt.
Das Zubereiten der Chips ist ausgesprochen einfach. Die Kartoffeln werden in sehr dünne Scheiben geschnitten. In einem Topf wird neutrales Fett mit hohem Rauchpunkt, z.B. Sonnenblumenöl erhitzt. Die optimale Temperatur liegt um die 170 Grad. Die Kartoffeln werden nun in das heiße Fett getaucht. Dabei sollte man versuchen, die Scheiben von Anfang an möglichst zu trennen. Die Fritierzeit für die Kartoffeln lag zwischen 2 und 4 Minuten und hing sehr stark von der Kartoffelsorte ab. Vermutlich durch den höheren Wassergehalt von festkochenden Kartoffeln, brauchten diese deutlich länger. Mehlig kochende gaben insgesamt knusprigere Chips und funktionierten etwas besser.
Am Ende einfach salzen und mit der Aioli aufessen.

Chenin Blanc

Chenin Blanc

Chenin Blanc
Photo by chrisada
Quelle: Wiki commons
Lizenz: CC BY 2.0 DE

Bei Loriot heißt es “Das ist Burgund und das ist Bordeaux!” Wie das mit meinem Besuch an der Loire vor kurzem zusammenpasst, weiß ich auch nicht, aber ich wollte es schon immer mal anbringen. Ich möchte hier auch weniger einen bestimmten Wein besprechen, sondern gleich einer ganzen Rebsorte meine innige Liebe erklären.

Es ist der Chenin Blanc. Ich bin seinem Charme gänzlich verfallen. Für mich ist er der stille Held unter den weißen Rebsorten. Chenin Blanc schreit nicht laut Hier! Hier! wie ein fetter, holz-geschwängerter Chardonnay, noch hat er einen schlechten Ruf wie ein dünner, wässriger Müller-Thurgau. Er geht meist einfach unter in der von Trends dominierten Welt der Weine. Denn Chenin Blanc ist für den Laien anfangs schwer zu verstehen, er hat viele Gesichter. In einem deutschen Supermarktregal sucht man vergeblich nach ihm. Man muss sich schon in die oft beängstigend komplizierte Welt von schummrigen Weinläden und herablassend blickenden Weinhändlern wagen.

Die enorme Vielseitigkeit dieser Rebsorte ist Fluch und Segen zugleich. Sie kann fast alles. Ob Schaumwein, knochentrockener Weißwein, süßer Dessertwein oder alles dazwischen – kein Problem für Chenin Blanc. Dank seiner natürlich vorhandenen hohen Säure, hat er ein enormes Alterungspotenzial und kann so viele verschiedene Weinstile hervorbringen, wie vielleicht sonst nur Riesling.

Das mittlere Loire-Tal zwischen Nantes und Tours ist das klassische Herzland von Chenin Blanc. Trockene Weißweine kommen zum Beispiel aus den AOCs Anjou und Savennières, süße Dessertweine findet man in den Gebieten Coteaux du Layon, Bonnezeaux und Quarts de Chaume während andere Gebiete wie die AOCs Saumur und Vouvray von trocken über halbtrocken und schäumend bis süß gleich die ganze Bandbreite bedienen. Schaumwein wird meist auch als Crémant de Loire vermarktet. Und wieso auch nicht?
Seine zweite Heimat hat der Chenin Blanc inzwischen in Südafrika gefunden. Dort werden hauptsächlich trockene Weißweine produziert, die zwar stilistisch anders, aber nicht weniger spannend als ihre französischen Brüder sind.

Auf eine blumige Beschreibung der Aromen eines Chenin Blancs verzichte ich hier lieber. Ihr müsst ihn schon selbst probieren. Nur ein kleiner Hinweis: Ich finde, ein trockener Chenin passt hervorragend zu Schweinebraten.
Also, ab in den nächsten Weinladen, fragt nach den oben genannten Namen. Schindet Eindruck beim Personal mit eurem gefährlichen Halbwissen. Sollten sie keinen Chenin Blanc jeglicher Art im Sortiment haben dann taugt der Laden eh nichts. Macht euch auf die Suche, der Wein ist es wert!

Kulinarische Rundreise durch China in Berlin: Jiangxi-Küche

Sanbeiji - Famous Signature Dish of Jiangxi Cuisine

Sanbeiji – Famous Signature Dish of Jiangxi Cuisine

Voller Neugierde, Mut und mit großem Appetit wagen wir uns in das wunderbare Lao Xiang im Prenzlauer Berg, um dort unsere kulinarische Rundreise durch China in Berlin fortzusetzen. Das wohl radikalste China-Restaurant Berlins hat sich nach gefühlten Millionen an gebackenen Bananen und krossen Enten komplett von allen Europäisch-Chinesischen Gerichten verabschiedet.

Ganz nebenbei lernen wir dabei die wenig bekannte Jiangxi-Küche kennen. Geprägt durch subtropisches Klima, viele Flüsse und den benachbarten Provinzen Guandong und Hunan spielen Fischgerichte und leicht scharfe Gewürze eine wichtige Rolle. Hervorragende, geschmackvolle Gerichte aus frischen Zutaten wie selbstgemachte Teigtaschen, Fischbällchensuppe, Wachteleier, Schweinebauch, gedämpfter Fisch, Garnelen mit Pfeffer, Froschschenkel oder Rindfleisch mit Sellerie warten auf unsere immer neugierigen Bäuche.

Anmeldung und Hinweise für Vegetarier

Bitte tragt Euch bis zum 17.09.2014 ein, wenn Ihr verbindlich mitkommen wollt. Freunde und Familie sind herzlich Willkommen! Insgesamt werden wir um die 10 verschiedene Gerichte probieren. Der Preis wird um die 13 bis 15 Euro pro Person liegen (ohne Getränke). Das endgültige Menü wird im Vorfeld verschickt. Authentische chinesische Küche ist bis auf die buddhistische Küche, die leider in Berlin nicht vertreten ist, hart gegen Vegetarier und Veganer. Leider werden wir im Lao Xiang diesmal keine vegetarische Option anbieten können.


Datum/Uhrzeit
Zeiten - 25/09/2014
19:00 - 23:00

Ort
Lao Xiang


Buchungen   (Noch 0 Plätze verfügbar)

Veranstaltung ist ausgebucht.