Nicht nur zur Winterzeit

Gschmälzte Maultaschen mit Grünen Linsen

Maultaschen sind eine Legende und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Einserseits im selben Sinne wie Bob Dylan, Frank Sinatra und Jérôme Boateng: in ihrem Milieu unübertroffen und durch ihre Großartigkeit aus der heutigen Gesellschaft schlicht nicht mehr wegzudenken. Andererseits aber auch, weil sich um ihre Entstehung verschiedenste Mythen ranken, wie auch folgende Geschichte eines Mönches. Wir stellen uns also ein dunkles Klostergemäuer vor; in ihm ein frustrierter Koch, mit Träumen von Festmählern und Hochzeitstorten; verdammt dazu jeden Tag wieder diegleiche fürchterliche Graupensuppe zu bereiten. Zwei Mal im Monat gibt es latent aggressive Gruppensitzungen, in denen er aufs Wüsteste angeschwiegen wird und ihm die geballte kulinarische Frustration eines ganzen Klosterordens entgegenschlägt. Schließlich hält er es nicht mehr aus. Die Klosterordnung hin oder her, etwas muss geschehen.

Wir schreiben den 15. Februar 1710. Ein Sturm fegt durch die langen Gänge, im Turmzimmer flackern Kerzen und eine Fledermaus sucht Zuflucht vor dem Wind, als verschwörerisch drei verhüllte Gestalten den Raum betreten: Besagter Koch in Begleitung des Klosteradvokaten und des Stallmönches Nerolas. Die Nacht wird lang, Regen draußen und Wein drinnen fließen um die Wette und erhitzte Gespräche wechseln mit wohlüberlegtem stillen Gebet. Es graut der Morgen und die Köpfe wechseln bedrohlich vom Rausch in den Wunsch nach der Erfindung von Aspirin, als Nerolas aufspringt, wie vom Blitz getroffen. “Liebe Freunde, wir waren Narren. In unserer Klosterordnung steht es doch so klar wie der Himmel über Jerusalem. Wir sollen uns abschirmen von allem weltlichen Genusse und nichts darf auf die Lippen treffen, was Fleisch oder Fisch, Ei oder Schmalz, Käse oder Milch, erlesene Nuss oder zartes Kraut ist. So lasst uns die Ordnung beim Worte nehmen und Abschirmen und Einhüllen all das, was wir so sehnlichst uns erhoffen”. Und die Maultasche war geboren.

Nudelteig Maultaschen Linsen
2 Eier Weichgekochtes Gemüse Grüne Linsen
4/5 Mehl 2 kleine Zwiebeln Zwiebeln
1/5 Hartweizengries Glatte Petersilie Etwas Weißwein
Etwas Salz Gemahlene Walnüsse Lorbeer
2 Eier Salz
Salz
Etwas Pfeffer
Butter

Nudelteig
Erst Ei mit wenig Gries mischen und kurz stehenlassen, damit sich der Gries mit Feuchtigkeit vollsaugen
kann. Dann Salz und stückweise Mehl dazu geben, bis ein recht fester Teig entsteht. Das Verhältnis von Gries und Mehl sollte etwa 1:4 sein. Den Teig nicht zu lange stehen lassen, damit er nicht austrocknet. Falls nötig, kann man den Teig mit etwas Wasser wieder anfeuchten. Trotzdem am besten erst die Füllung machen.

Maultaschen
Weichgekochtes Gemüse durch ein Küchentuch auspressen. Zwiebeln in feine Scheiben schneiden. Petersilie fein hacken. Walnüsse etwas klein mahlen. Alles zu einer homogenen Masse vermischen und mit Salz abschmecken. Rohe Eier unterrühren. Den Teig ausrollen und längliche Vierecke zurechtschneiden. Einen Teighaufen in die Mitte setzen und Zusammenfalten. Dabei die Klebeflächen leicht anfeuchten. Die Maultaschen ca. 4-5 min in gesalzenem Wasser kochen und mit der Schöpfkelle herausholen. Schließlich in Butter anbraten, wodurch sie, schwäbischen Volksmund, gschmälzt werden. Wer will kann beim Anbraten auch etwas Ei darüber geben.

Linsen
Zwiebeln fein schneiden und anbraten. Linsen dazugeben und mit Brühe und Wasser ablöschen.
Mit Wasser bedecken, so dass die Linsen etwas einen halben Zentimeter unter der Wasseroberfläche sind. Ein Lorbeerblatt dazugeben und ca. 15 min kochen. Gesalzt wird erst am Ende, da die Linsen sonst nicht weich werden.

maultaschen

Hinweise & Kommentare
Füllung
Für die Füllung der Maultaschen das weichgekochte Gemüse unbedingt gut auspressen. Die
Maultaschen laufen sonst Gefahr von selbst aufzugehen.

Linsen kochen
Unbedingt darauf achten, dass die Linsen nicht zerkochen. Am besten erst anfangen, wenn die
Maultaschen bereits im Wasser sind.

Potentielle Probleme
Teig klebt
Wenn der Teig klebt, einfach mit mehr Mehl arbeiten. Bei Ausrollen kann auch Dunst oder
Gries helfen.

Teig zu trocken
Etwas Wasser schadet dem Teig nicht, einfach leicht befeuchten und nochmal durchkneten.